Wozu braucht es einen Trainer

In den letzten Monaten und vor allem nach dem zweiten EM-Gruppenspiel gegen die Niederlande mehren sich wieder die Stimmen der Foda-Kritiker, die meinen, dass aus diesen Spielern und dem Team mehr rauszuholen wäre als dies seit einiger Zeit der Fall ist.

Wir wissen in Österreich gibt es fast 9 Mio Teamchef*innen aber manchmal muss ich auch ehrlicherweise gestehen wird man manchmal verleitet seine persönlichen Weisheiten von sich zu geben.

Aus meiner Perspektive

Ich möchte dieses Thema jedoch mal aus meiner Perspektive des Persönlichkeits- und Teamentwicklers beleuchten ohne hier jemanden nahe treten zu wollen.

Was ist die grundsätzliche Aufgabe und Rolle eines Trainers und welche Einflussmöglichkeiten hat er oder sie tatsächlich auf die Spielweise, das Auftreten und die Einstellung einzelner Spieler*innen und des Teams, das heißt wozu braucht es einen Trainer?

Das moderne Anforderungsprofil an eine heutige Trainer*in ist sehr komplex. Da kann schon manchmal der Eindruck entstehen, es braucht einen echten Superhero, um all die Anforderungen und Herausforderungen in dieser Position auch zu erfüllen.

Die Aufgaben einer Trainer*in

Fachwissen + Erfahrungen

Eine Trainer*in benötigt grundsätzliches fußballspezifisches Fachwissen (Allgemeine Trainingslehre, taktische Inhalte, Trainingssteuerung, u.v.m.), sowie eventuell auch selbst die Erfahrung als Spieler*in, all diese Situationen die einen in diesem Sport begegnen schon selbst erlebt und durchlaufen zu haben.

Die Frage die sich dazu stellt, ist es zwingend notwendig, selbst auf höchstem Niveau gespielt zu haben oder sind dann in der Rolle als Trainer*in andere Dinge wichtiger und vordergründiger. Das stelle ich hier mal so unbeantwortet in den Raum.

Das Team um mich

Eine Trainer*in ist einerseits dafür verantwortlich, um sich ein Team aus Fachleuten zu scharen, das in seinem Bereich z.b. Athletik, Sportmedizin, Reha, Regeneration, Organisation und im Idealfall Persönlichkeits- und Teamentwicklung seine Expertise und sein Know How einbringt.

Das bedeutet, eine Trainer*in braucht also die Fähigkeit, das alles zu organisieren und gut zu managen und alle im Staff mutig, aktiv zu führen und anzuleiten.

Dazu braucht es vor allem Selbstbewusstsein, Vertrauen, die Fähigkeit zu delegieren und letztendlich Loyalität.

Team-Führung

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die reflektierte und umsichtige Führung eines Teams von 20 – 25 Ich-AG’s.

Das heißt sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und Charaktere, die alle unterschiedliche Stärken, Fähigkeiten und persönliche Ziele, Motive und Mentalität mitbringen, zu einem großen Kollektiv zu verschmelzen.

Wie gehe ich mit einzelnen Spieler*innen und dem Team richtig um, wie kann ich die jeweiligen individuellen Stärken und Fähigkeit der Spieler*innen so einsetzen, dass sie für die Zielerreichung des Teams förderlich sind. Spielt jede(r) auf der Position auf der sie/er für das Team die größte Wirkung erzielen kann.

Wie halte ich jene Spieler*innen bei Laune, die nicht zum Zug kommen oder nicht zur regelmäßigen Stammelf gehören. Wie schaffe ich ein Gemeinschafts-Klima, in dem sich alle wohlfühlen und so ihre optimale Leistung entfalten können.

Wie können Spieler*innen und das Team eine Mentalität entwickeln, die sich in all ihrer Wirkung und dem Verhalten und den Signalen auf am Platz wiederspiegeln.

Taktische Fähigkeiten

Welches taktische Gesicht kann ich der Mannschaft verpassen und dies auch vermitteln. Welches System und vor allem welche Spielanlage passt zu den Charakteren und den Stärken der Spieler und wie sehr richte ich meinen Fokus auf die eigenen Stärken oder auf die Ausrichtung und die Stärken und Schwächen der Gegner.

Man sieht schon in der ganzen Komplexität der unterschiedlichen Aufgaben welch große Herausforderung es ist als Leader zu arbeiten, in welchem Bereich auch immer, (Sport, Wirtschaft, etc.) und den Anforderungen erfolgreich gerecht zu werden.

Es gibt natürlich noch weitere Bereiche in denen ich mich als verantwortliche Trainer*in zu bewegen habe auf die ich hier gar nicht näher eingehe (Medienarbeit, Spielbeobachtungen, Sponsorenarbeit, etc.)

Franco Foda

Meine Sicht zur aktuellen Situation des Nationalteams

Ich denke, dass wir seit einiger Zeit ein großes Potenzial an Spielern im Kader haben, die alle eine außerordentlich gute Ausbildung und viel international Erfahrung mitbringen.

Der Großteil dieser Spieler spielt in ihren Klubs mit klaren Systemen und Spielanlagen und kennt jene dazugehörigen Abläufe sehr genau.

Darauf aufbauend eine klare Österreich-DNA zu entwickeln hielt ich für sehr spannend.

Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass einige Spieler nicht immer auf den Positionen eingesetzt sind, wo sie am effektivsten und am wirksamsten ihre Stärken und Fähigkeiten für das Team einbringen können. Aber die jeweiligen Entscheidungsprozesse dazu bleiben mir natürlich verwehrt.

Das was aus meiner Sicht auch fehlt sind 2-3 Spieler im Team, die zusätzlich jene internationale Geschwindigkeit und Schnelligkeit mitbringen, welche im modernen, schnellen Fußball notwendig sind und welche auch den Unterschied ausmachen können.

Meine Sicht auf den Trainer

Zum Trainer kann und möchte ich nur meine persönlichen Wahrnehmungen und Beobachtungen von außen mitteilen ohne die Interna dazu tatsächlich zu kennen.

Was auffällt ist, dass der Teamchef in seiner Denkweise und Grundhaltung eher vorsichtig und „defensiv“ denkt und auch handelt. Das muss jedoch jede Trainer*in für sich reflektieren und bewerten. Ich beobachte, dass die Spielanlage in vielen Spielen nicht ganz dem entspricht was dieser Mannschaft finde ich gut stehen würde (höheres verteidigen, Gegenpressing, etc.).

In die Mannschaftsführung habe ich von außen klarerweise zu wenig Einblick. Das was mir auffällt ist, dass augenscheinlich wenig bis gar kein Wert auf konkrete Teamentwicklung und die ernsthafte Auseindersetzung mit der mentalen Komponente gelegt wird, was mich als Teamentwickler und Mentalcoach natürlich nicht zufrieden stellt, da ich denke, dass alleine die Komplexität der Traineraufgaben solch eine asugefüllte Rolle dem Trainer, den Spielern und letztendlich dem Team sehr gut tun würde.

Alles in allem glaube ich aber nach wie vor auf den Einzug in das EM-Achtelfinale, auf einen Punktgewinn gegen die Ukraine und eine erfolgreiche Zukunft des Teams und des östereichischen Herren- UND Frauenfußballs!

Infos + Kontakt:

Klaus Kroboth – Persönlichkeits & Teamentwicklung – Be Unique

+43 664 / 125 64 42 / office@klaus-kroboth.com

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