STAFF & MENTALCOACHING im Fußball – Beispiel FK AUSTRIA Wien Frauen

Viele Leute fragen mich, wie funktioniert deine Arbeit mit Teams eigentlich?

Staff & Mentalcoaching im Fußball ist ein komplexes Thema, das nicht in ein paar Sätzen erklärbar ist, da es vorwiegend ein Prozess ist. Natürlich gibt es auch kurzfristige Maßnahmen in diesen Bereichen, das ist aber nicht das, wofür ich stehe und was ich vertrete.

Ich möchte euch anhand der Arbeit mit den FK Austria Wien Frauen kurz schildern wie diese Arbeit in der Praxis aussehen kann. Das ist mein persönlicher Zugang und Ansatz, der jeglichem Anspruch, das einzig Richtige zu sein, außen vor lässt!

Der Start

Ich kam vor zweieinhalb Jahren zum Team. Die sportliche Leitung und der damalige Trainer waren sehr interessiert und offen dem Thema gegenüber. Es wurde davor auch schon ansatzweise versucht, diverse Maßnahmen mit der Mannschaft zu setzen, jedoch nichts kontinuierliches und bislang wirklich in den täglichen Ablauf integriertes.

Die erste Phase war natürlich zunächst begleitet von Kennenlernen, vielen Gesprächen und das Beoabachten der Prozesse und Dynamiken im Team, Staff und im Verein. Es gelang aufgrund der Offenheit und der Bereitschaft aller Beteiligten sehr schnell auch in die inhaltliche Arbeit zu kommen und mit dem Staff, dem Team und auch einzelnen Spielerinnen in der Vorbereitungsphase (Frühjahr) intensiv zu arbeiten. Schritt für Schritt lernte ich die Spielerinnen und auch das Trainerteam besser kennen und wir konnten einige wichtige Impulse in Richtung Teamgeist und das Entwickeln von persönlicher mentaler Stärke setzen. Die Mannschaft und das ganze Betreuerteam zogen dabei voll mit.

Dann kam der erste Lockdown und der Spiel- und Trainingsbetrieb wurde eingestellt! Ein Schock für uns alle. Doch relativ schnell konnten wir auch hier Wege und Mittel finden, diese Extremsituation zu lösen und alternative Möglichkeiten der Zusammenarbeit finden, um trotzdem im Austausch und Kontakt zu bleiben und an unseren begonnenen Themen weiterzuarbeiten.

Die kontinuierliche Entwicklung

Die erste wirkliche MS-Saison mit dem Team begann dann im Sommer 2020. Das Gesicht der Mannschaft und des Betreuerteams hatte sich nicht verändert und wir starteten in eine sehr gute Saison 2020/21.

Der Schwerpunkt meiner Arbeit verlagerte sich nach anfänglichen Teameinheiten zunehmend auch in Einzelarbeit mit den Spielerinnen, aus der sehr viele tolle persönliche Entwicklungen folgten, die dem Team wiederum für den Gesamterfolg zur Verfügung gestellt werden konnten. Letztendlich beendeten wir die Herbst-Saison mit einem tollen 2. Platz.

Im Winter verließ dann der Trainer das Team und den Verein und es startete der erste kleine Umbruch. Es galt sich als Team mit der Situation zurecht zu finden, neu zu ordnen und die Zusammenarbeit mit dem neuen Trainerteam zu entwickeln, um eine gute Rückrunde spielen zu können.

Meine Aufgabe in solch einer Phase besteht in erster Linie darin, die Spielerinnen und auch das Trainerteam dabei zu unterstützen, diese Umbruch-Phase positiv, konstruktiv und selbstwirksam zu begleiten und zu gestalten. Hierzu ist es wichtig, immer wieder Feedback zu geben, welche Dinge ich im Prozess und der daraus entstehenden Dynamiken beobachte und wahrnehme, die mögliche Wirksamkeit mancher Verhaltensweisen und Maßnahmen offen zu spiegeln und Ideen und Lösungen zum passenden und erfolgreichen Umgang damit anzubieten.

Dieses halbe Jahr war für alle sehr herausfordernd, da sich hier langsam bemerkbar machte, dass es gewisse Dynamiken im Team gibt, die nicht immer förderlich für den Teamgeist und den Teamerfolg waren. Trotz all dieser nicht immer leichten Umstände gelang es dem Team im Abschlussspiel der Saison den tollen Vizemeistertitel zu fixieren.

Mit Cheftrainer Robert Haas im ständigen Austausch

Der Umbruch

Im Sommer wurde dann nach intensiver Analyse und vielen Gesprächen entschieden, einen größeren Umbruch im Team einzuleiten. Zunächst trennte man sich vom Trainerteam und es wurde ein neues Trainerteam um Robert Haas und Gerald Schneider installiert. Auf dem Spielerinnen-Sektor gab es vorerst nur kleine Veränderungen, da sich das neue Trainerteam auch einen Eindruck über den gesamten Kader machen wollte und sollte.

Mit dem neuen Trainerteam kam auch ein neuer Wind und eine größere Professionalität ins Team. Der Leistungsgedanke wurde noch stärker in den Vordergrund gerückt und die Trainingsintensität erhöht. Trotz der sportlich erkennbaren Weiterentwicklung entstanden daraus auch einige Konflikte und Dynamiken innerhalb der Mannschaft, denen es nun entegegen zu treten galt. Unzufriedenheiten innerhalb des Teams und des Betreuerstabs galt es nun aufzufangen und gemeinsam zu besprechen, aufzuarbeiten und zu lösen. Das alles passierte natürlich neben dem laufenden Spielbetrieb.

Meine Aufgabe war es, hier den Prozess zu moderieren und zu beobachten, sowie regelmäßige Gespräche mit Mannschaft, Trainerteam, Spielerinnen und sportlicher Leitung zu führen, um gute Lösungen zu kreieren aber kurzfristig auch erfolgreich agieren zu können.

Mit Ende der Herbstsaison, die mit dem starken 3. Platz beendet wurde, galt es dann weitere wichtige strategische Entscheidungen zu treffen. Es ging um die Fragen, ob das Gesicht der Mannschaft weiter verändert, die weitere Professionalisierung vorangetrieben und klar definierte mittel- und langfristige Ziele gesetzt werden sollen.

Letztendlich kamen wir als verantwortlicher Staff zum Entschluss, diesen neuen Weg entschlossen einzuleiten, in dem wir im nächsten halben Jahr auf unsere jungen Spielerinnen setzen, Ihnen die Möglichkeit zur weiteren Entwicklung geben und für den Sommer 2022 einen nächsten Umbruchschritt in der Mannschaft planen.

Mit Ende der Frühjahrsaison 2022 war klar, dass diese Entscheidung schwierig, sehr herausfordernd aber letztendlich zu 100% richtig war. Unsere vielen jungen Spielerinnen bekamen sehr viel Einsatzzeit, in der sie enorm viel Erfahrung sammeln konnten. Unsere routinierten Spielerinnen, die den Weg mitgingen und unser Trainerteam führten trotz phasenweiser enormer Anstrengung diese Jungen langsam an die Bundesliga heran. So konnten mit dem 3. Tabellenplatz alle gesteckten Erwartungen mehr als übertroffen werden.

Der nächste Schritt

Im Sommer 2022 folgte nun der erwähnte nächste Schritt im Umbruch. Zunächst die Übersiedlung vom Landhaus-Platz in die Generali-Arena und die Loslösung vom Kooperationspartner USC Landhaus zum eigenständigen Verein FK Austria Wien.

Innerhalb der Mannschaft gab es nun weitere große Veränderungen. Viele Spielerinnen verließen uns und viele neue Spielerinnen kamen zum Team, geben nun neue Inputs und vor allem Qualität, um die nächsten Ziele und Schritte gemeinsam angehen zu können. Die ersten Wochen der Vorbereitung und auch der Start in die Meisterschaft stimmen uns alle sehr zuversichtlich auf dem richtigen Weg zu sein. Was es nun braucht ist Konsequenz, Geduld und noch mehr harte Arbeit, Ausdauer und den Willen, diesen Weg auch erfolgreich weiter zu gehen.

Meine Aufgabe in diesem großen Rad ist die Rolle des Moderators, des Beobachters, Feedbackgebers und Supporters der Spielerinnen und Trainer*innen.

Das werde ich solange mit großer Leidenschaft einbringen und leben, bis ich keine Möglichkeit oder keinen Sinn mehr darin sehe und erkenne. !FORZA VIOLA!

Lisa Makas, Romi Bell und die jungen Wilden

Klaus Kroboth – Staff & Mentalcoach – Be Unique

+43 664 125 64 42 / office@klaus-kroboth.com

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